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Als Tierarzt beim Schlittenhunderennen in Alaska - Impressionen und Erlärungen
Für die Einwohner Alaskas sind die im Winter stattfindenden Schlittenhunderennen ähnlich wichtige Sportevents wie bei uns in der Gegend z.B. die Handballbundesliga o.ä. Grundsätzlich werden drei unterschiedliche Distanzen bei den Hunderennen unterschieden: die Kurzstreckenrennen (bis 50 Meilen), die Mittelstreckenrennen (bis 300 Meilen ) und die Langstreckenrennen (ca 1000 Meilen). Die berühmtesten Rennen sind das „Iditarod“ und das „Yukon Quest“ (beide über 1000 Meilen). Für die Zulassung zur Teilnahme an den letztgenannten Rennen müssen die „Rockies“ (Anfänger) offizielle Qualifikationsrennen bestehen. Diese müssen mindestens 300 Meilen lang sein.
Eines davon ist das an der Kuskokwim-Mündung stattfindende „Kuskokwim 300“. Es zählt in Alaska zu den am besten organisierten und auch dotierten Mittelstreckenrennen. Für den reibungslosen Ablauf eines Rennens sorgen so genannte Volunteers (ehrenamtliche Helfer). Volunteers sind z.B. das Gros des Organisationskomitees, die „Trailbreaker“(stecken und markieren den Weg/Trail), die „Checker (Zeitnehmer), die Piloten, die Futter, Streu oder auch erschöpfte Hunde („dropped dogs“) zurück transportieren, die „Vets“ (Veterinäre zur medizinischen Versorgung der Hunde) und zahlreiche „Locals“, die einfach die „Musher“ (Hundeschlittenführer) oder andere Volunteers beherbergen.
Als Tierarzt hatte ich in den Jahren 2002 bis 2005 die Möglichkeit, an mehreren Rennen am Kuskokwim und in der Big Lake Area teilzunehmen. So bot sich die Chance, nicht nur die Atmosphäre der Rennen zu erleben, sondern auch Land und Leute kennen zu lernen. In einer Gruppe von insgesamt bis zu 7 Veterinären wurden pro Rennen fast 25 Teams a 16 Hunde voruntersucht und dann während des Wettkampfes an den Checkpoints medizinisch begleitet. Die Checkpoints sind ca alle 50 Meilen aufgebaut.
 

Häufigste Gründe für eine Behandlung sind Erschöpfungszustände, Muskelzerrungen, Stressdurchfälle oder auch Gelenksschwellungen. Hunde können vom Musher an den Checkpoints zurückgelassen (dropping a dog) oder auch von den Vets aus dem Rennen genommen werden. Sie kommen dann an eine Leine (dropped dog line) und werden von uns Vets überwacht und wenn notwendig und erforderlich natürlich auch behandelt.

Die „gedroppten“ Hunde werden nach Ende des Rennens per Flugzeug ausgeflogen. Die Checkpoints sind meist in Schulen oder Kindergärten entlang des Kuskokwims lokalisiert. Die einheimische Bevölkerung (hauptsächlich Eskimos der Stämme der Inuit und Yupik) beobachtet mit Begeisterung und Vergnügen den Verlauf des Rennens und hilft an allen Ecken und Enden, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Da z.B. das Kuskokwim 300 in der Regel mit 25 Teams plus Helfer für jedes Team über ca 48 bis 72 Stunden geht, steht ein großes Maß an organisatorischem Aufwand dahinter.

Die Musher genießen einen ähnlichen Idolstatus wie unsere Fußballprofis, wobei ein Großteil Hobbymusher sind. Es gibt aber auch einige Profis, die nur vom „mushen“ leben. Sie sind dann über großzügiges Sponsoring, Vorträge, Hundezucht etc. in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einer der sehr bekannten Musher ist z.B. der mehrfache Iditarod Champion Martin Buser. Als ehemaliger Schweizer lebt er seit Jahrzehnten in Alaska und ist eine feste Größe in der nationalen Musherszene. Jeff King ist ein anderer Profi, der inzwischen schon 5-facher Kuskokwim-Champion ist.
 

Die klimatischen Verhältnisse beim Kuskokwim 300 könnten unterschiedlicher nicht sein. Allein in den 4 Jahren von 2001 bis 2005 waren Temperaturunterschiede von +3 Grad und Regen bis hin zu minus 40 Grad und schwerem Schneesturm (gefühlte Temp. bis minus 60 Grad) zu erleben. Dabei gefriert z.B. das Stethoskop sofort, und eine ruckartige Bewegung führt zum Zerbrechen des Schlauches.Für die Musher und die Hunde ist ein solches Wetter natürlich eine extreme Herausforderung, die ein gehöriges Maß an Mut, Ausdauer, Leidensfähigkeit und Ehrgeiz erfordert. Wer einmal als Zuschauer, Volunteer oder Musher ein Rennen miterleben durfte, wird den speziellen Reiz, die Landschaft, das Flair, die sehr netten und bescheidenen Leute und den „Spirit“ unvergesslich in Erinnerung behalten. Alaska ist eben doch noch „The last frontier State“ (die letzte Wildnis).

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